AFLOAT / Strömungen
Standort: 52°26'34.638"N

Vom 6.-9. August 2026 findet im Speicher Gramzow die Soundwerkstatt »Afloat / Sound of Waves« statt. Dabei wird das kolossale Industriedenkmal von Künstlerinnen und Musikern als Sound-Lab und Resonanzkörper genutzt und bespielt.
Die Künstlerin Jana Debrodt wird ein Sensorium aus Umweltsensoren für Wind, Luft und Licht in Verbindung zu ihrer Sound-DAW installieren, die eigenständig ortsspezifische Sounds erzeugen wird. Mit Mikrofon- und Kabeltechnik wird der Musiker Jacob Stoy das Gebäude und seine skulpturalen Apparaturen als Klangkörper nutzen und dafür mit dem Akustik-Ingenieur Clemens Pitschke kooperieren. Chris Keller bringt einen G2-Modularsynthesizer und ein Sonification-Tool dazu, optische Daten, Fotos und Videos der Umgebung zu verarbeiten und hörbar zu machen.
Thomas Müller und Frank Diersch von Radio Industry begleiten den Werkstattprozess mit kryptischen Datenerhebungen in latenter Echtzeit. Der ehemalige Prototyp eines Industriekornspeichers wird im August erstmals zum experimentellen Radiolabor und Sendeturm.
8. August ab 18 Uhr / Live im Speicher Gramzow
Stream via www.radioindustry.de
www.speicher-gramzow.de



Tag 2 / 14:47
Jacob Stoy läuft mit einem Akkordeon über der Schulter an uns vorbei, während der Balg des Instruments langsam nach unten sinkt und dabei einen Ton erzeugt, der die vor Ort wachsende, umgekehrte Entropie begleitet, rauh, alt, zukünftig.

Tag 2 / 12:59 Uhr
Ansicht Funktelefon, Prozessbegleiter™ / Clemens Pitschke und Jacob Stoy bei den Proben zur Funkübertragung/Transfer für »IN OUT IIN OUUT« vom Nordhang (Wiese am Speicher) ins 7. und 8. Obergeschoß des Speichers.

Tag 1 / 16:44 Uhr / Set von Jana Debrodt, Aufbau Sensorium

Frank Wiemeyer ist Diplommeliorationsingenieur und Miteigentümer des Speicher Gramzow. Auf der Laderampe des ehemaligen Kornspeichers spricht er für uns in der Abendsonne über die "Optimierung wässriger Systeme", nach der Frage zu einem Bildtitel (siehe oben).

Tag 1 / 14:43 Uhr / Arbeitsplatz von Chris Keller, Speicher Gramzow, Kellergeschoss, Set 1

Tag 1 / 14:34 Uhr / Ankommen, Set aufbauen, Field-Recording vorbereiten / Clemens Pitschke mit Parabolmikrofon



Von der Öffentlichkeit weitestgehend unbemerkt, fand am Sonntag den 26. Juli gegen 18:55 Uhr nebenan ein Schleusengang mit einem auf der Oberfläche nicht sichtbaren Wasserfahrzeug statt. Unser Kollege vor Ort tippt auf ein USV (Unmanned Surface Vehicle).
-> siehe Eintrag vom 10.1.

Am Mühlenteich (Woltersdorfer Schleuse) / Rohrfederzeichnung aus dem Skizzenbuch von Achim Weichhardt / Woltersdorf, März 2026

Am 5. Juni waren wir eingeladen zu den Lecture Performances mit Malte Giesen + Dustin Zorn vom Studio für Elektroakustische Musik an der Akademie der Künste Berlin. Meilensteine, wie der erste Musikcomputer »Fairlight C.M.I.« mit 7 inch großen Disketten und Lightpen auf Röhrenbildschirm, oder der Lochkarten-Drumcomputer »EKO Computerrhythm« aus dem Nachlass von Manuel Göttsching, wurden vorgestellt und gespielt. Das Publikum war eingeladen ein Lochkartenset für eine Demo zu erstellen. Die extrem seltenen Modularen Synthesizer aus der Werkstatt Lehmann (insgesamt 3 Exemplare, rechts im Bild, gebaut im Auftrag des vormaligen Studios für elektroakustische Musik der Akademie der Künste der DDR unter Georg Katzer und Manfred Machlitt), hier aus dem Nachlass von Taimur Streng, waren mit von der Partie und auch zu hören.
Danke für die Einladung, es war mega magic!

"Wir alle speichern Tausende von Melodien im Gehirn. Diese Erinnerungen sind erstaunlich präzise und binnen Millisekunden abrufbar, und sie gehören zu den letzten, die Alzheimer-Patienten noch haben. Wie funktioniert dieses musikalische Gedächtnis?"
Quelle: Wie wir uns an Musik erinnern / SWR2 Wissen / von Christoph Drösser


Elastic OSC ist ein verspielter Makro-Synthesizer im Taschenformat für unterwegs. Ob in 10.000 Meter Höhe oder am Grund des Flakensee, du tauchst spielend leicht ein. Seit heute auch in der Desktop-Version mit nicen Sample-Packs u.a. von Ronald Lippock*.
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Afloat-Frage: Wohin fließen akustische Wellen, und haben sie Rückstände, Reste oder hinterlassen sie Spuren?
"Der Fluss trägt ab, legt ab, wäscht aus, unterspült, führt mit, sickert, murmelt, stürzt und atmet sich in Scheinseen aus. Will hierhin und dahin, von der Kürze seines Wegs ablenken, immer wieder die granitenen Findlinge auf ihre kalksteinfremde Herkunft befragen. Eine Landschaft im ständigen Ziehen und Schleifen und Schieben und Verwischen von Spuren, im Bloßlegen der unzuverlässigen Zeugenschaft des Geländes. An stillen Tagen fallen die Schatten der Vögel, die über den Fluss fliegen, bis auf den Kieselgrund, und sie hinterlassen nichts im Fluss. Kein Dunkel, keine Bewegung, die sich ins Wasser übersetzt."
Esther Kinski, Rombo, S. 57

"Ausgehend von geografisch-geologischen Gegebenheiten und historischen Quellen wollen wir inhaltlich in die Tiefe gehen, uns gedanklich zum Thema Wasser treiben lassen, die Tragfähigkeit von Konzepten ergründen, neue Spielorte anlaufen und in Literatur und Musik abtauchen. Wir werden Anlegestelle, Hafen und Floß sein, werden u. a. eine Großleinwand für Stummfilm- Karaoke der klassischen Woltersdorfer Stummfilm-Blogbuster von Joe May aufs Wasser bringen, eine zeitgenössische Wassermusik aufführen, mit AutorInnen und Gästen das Logbuch Afloat entwickeln und tagesaktuell veröffentlichen und im Dieselkraftmuseum Cottbus eine afloat-Logbuch-Ausstellung kuratieren."
Bettina sagt: Swimming is daliy business. Abb. / Ort: Prinzessinen-Bad in der Nachbargemeinde Berlin

Afloat Logbuch / O-Ton Atelierbaustelle TS

Es ist Ende März, der Winter dauert länger als gedacht, doch es kommen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen und wecken unsere kurzlebigen fliegenden Nachbarn, die Schmetterlinge.
Schmetterlinge orientieren sich vor allem mithilfe eines Sonnenkompasses, des Erdmagnetfelds und visueller Landmarken. Falter bestimmen ihre Flugrichtung über den Stand der Sonne. Ein eingebauter innerer Uhr-Mechanismus gleicht dabei die tageszeitliche Veränderung der Sonne aus. Spezielle Sensoren im Fühler oder Körper helfen den Tieren, sich an der Neigung und Stärke des magnetischen Feldes der Erde auszurichten, besonders bei bedecktem Himmel oder auf sehr langen Strecken. Auf kürzeren Strecken oder in der näheren Umgebung nutzen Falter auffällige Landschaftselemente wie Küstenlinien, Flüsse, Berge oder Wälder als Wegweiser.
Der Große Berberitzenspanner (Hydria cervinalis) ist ein Schmetterling (Nachtfalter) aus der Familie der Spanner (Geometridae). Diese Art bildet eine Generation im Jahr, die von Ende März bis Anfang Juli fliegt. Die Raupen sind von Juni bis Juli anzutreffen.
Quelle: Institut für Biologie und Umweltwissenschaften, Uni Oldenburg

Am 14. März treffen sich die Afloat-Künstlerinnen und Kooperationspartner zum ersten Mal im Speicher Gramzow. Wir werden dort von Frank Wiemeyer begrüßt und bekommen eine exclusive Führung durch das gesamte Gebäude.
Planung: »Sound of waves / Afloat-Sessions« im August



Afloat Logbuch / O-Ton Speicher Gramzow


Vaclav Spicek: "... gebt der Woltersdorfer Radio-Community bitte eine entsprechende Förderung, und die Leute werden sofort unter Wasser einen Radiosender betreiben und von der Woltersdorfer Schleuse aus in den Weltmeeren aktiv."

Leonardo da Vinci, Studien von Wasserformationen, ca. 1480

Anfang Februar fahren wir (Thomas, Bettina, Frank) zu einer Klausur nach Groß Fredenwalde. Dort befindet sich die Stiftung der Hinterlassenschaften von Inge Mahn und das Stallmuseum. Das Land ist mit einer Eisschicht überzogen, es ist arschkalt. Wir beraten unsere Vorhaben für 2026, treffen dort Vitali Shupliak, Liso Stec und Oliver Spatz. Die Erfahrung, daß Gedanken und Inspirationen an entlegenen Orten auch bei niedrigsten Temperaturen besser strömen, bestätigt sich.
Notiz: Eisklänge aufzeichnen

Interview / Recherche
»Radio Play« von Christopher Williams, nach dem Stück »Inklusive« von Franz Xaver Kroetz (1971, Trilogie Münchener Leben), erschienen 2025 als LP/Album bei FMP und wurden am 18. September 2025 bei Radio Industry / Transmitter als Radiosendung erstmals in Europa ausgestrahlt. Zugleich war eine Video-Installation des Künstlers und Publikationen zu »Inklusive« im Plattenladen Spielerei an der Woltersdorfer Schleuse zu sehen.
Am 19. Januar fand im Morphine Studio (Berlin) eine Listening Session mit den Hörspielen statt, Thomas Müller und Tonda Montasser konnten für Radio Industry ein Interview mit Christopher Williams führen.
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Radio Play präsentiert Adaptionen des Stücks Inklusive des bayerischen Dramatikers Franz Xavier Kroetz von Christopher Williams. Inklusive ist Teil einer Trilogie von Hörspielen aus dem Jahr 1971 mit dem Titel Trilogie Münchener Lebens. Das Stück wurde erstmals 1972 im ehemaligen Westdeutschland im Südwestfunk ausgestrahlt. Eine zweite Version wurde 1974 im ehemaligen Ostdeutschland im Rundfunk der DDR ausgestrahlt. Die west- und ostdeutschen Ausstrahlungen bilden die Grundlage für diese beiden Hörspieladaptionen von Williams. Beide Adaptionen wurden in deutscher Sprache mit derselben Technik aufgenommen, die auch für die Originalausstrahlungen von 1972 und 1974 verwendet wurde.
Die kürzlich neu gemasterte doppelseitige LP Radio Play enthält sowohl die westdeutsche als auch die ostdeutsche Adaption des Stücks. Die 12-Zoll-Single The Pedagogical Prop enthält Auszüge aus beiden Adaptionen.
Eva Mattes (o.k., Die bitteren Tränen der Petra von Kant) ist eine Schauspielerin, die in Tegernsee geboren wurde. Sebastian Bezzel (Tatort, Eberhoferkrimis) ist ein Schauspieler aus Garmisch-Partenkirchen. Norbert Stöß (Abschnitt 40) ist ein Schauspieler, der in Dresden geboren wurde. Andreas Leupold (The Human Centipede) ist ein Schauspieler aus Ostberlin. Rüdiger Carl ist ein freischaffender Improvisationsmusiker, geboren in Goldap, Ostpreußen. Mo Stern (Panorama Bar im Berghain) ist Toningenieur, bildender Künstler, DJ und Musikproduzent, geboren in Hamburg.
Franz Xaver Kroetz ist Dramatiker, Schauspieler und Regisseur aus München. Christopher Williams ist ein in Los Angeles geborener Künstler und Professor für Fotografie, der in Köln lebt und arbeitet. Maximilian Klemens Sänger ist ein in Düsseldorf lebender Künstler und Filmemacher. Die BRD-Version und die DDR-Version wurden im September 2025 bei Radio Industry – Festival für Kunst + Gegenwart ausgestrahlt. Es handelte sich um exklusive Einmalausstrahlungen!
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Die Protagonisten in »Inklusive« verreisen im Sommerurlaub nach Italien ans Meer/Wasser, wo Gegenwart, Routinen und Lebensentwürfe im Text planmäßig ins Wanken geraten.
Afloat-Recherche: Eigenschaften und Funktionen des Wassers im Alltag und Auswirkungen auf westliche Gesellschaften im Normalbetrieb und im Ausnahmezustand (Urlaub).

AFLOAT / Alles fließt – Wasser als Experimentierfeld und Freiraum
Unsere Radiowellen und Datenströme bewegen sich 2026 auf »Wasserwegen« zu Kooperationen und Themenorten in der Nachbarschaft, im Landkreis und im Land. Wasserwege werden für uns sowohl die Gewässer vor unserer Haustür, als auch gedankliche Wege, Einflüsse und Strömungen, denen wir folgen oder ausgesetzt sind, sein. Das Land Brandenburg verfügt über eine reiche Fluss- und Seenlandschaft, der wir uns mit künstlerischen Projekten, Interventionen und Forschungen widmen werden. Das Thema Wasser wird für das kommende Jahre unser topografisches Netz und Träger von Begegnungen, Veranstaltungen und Events.
Abb. "Die Die LM450 ist ein kompaktes, vielseitig einsetzbares unbemanntes Überwasserfahrzeug (USV) mit omnidirektionalen Triebwerken für agilen und redundanten Antrieb. Ihr modulares Deck unterstützt Sonarsysteme, ROV/AUV-Startsysteme und UAV-Andockvorrichtungen und ermöglicht so Umweltüberwachung..." Quelle: Lemvos
Idee / Notiz: Gewässer-Messdaten für Afloat-Sessions mit Künstlerinnen + Musikern.

Frage: Habe wir bei unseren Überlegungen zum Thema Wasser an die Aggregatszustände des Wassers gedacht? Bei unseren Recherchen und Tauchgängen im Archiv spielten erst einmal alle thematischen Zugänge zum Wasser, als flüssiges Medium eine Rolle.
Kommentar vom 25. Juli 2026: "... schaut euch Hagelmassen an, die in den vergangenen Tagen im Hochsommer in Reutlichen gefallen sind und beobachtet wurden: Sah aus wie Neuschnee, Hagelberge in Reutlingen LG Vaclav"
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 15.7. 2026